Reisebericht von Elisabeth und Werner Jansen
11. November 2008Vom Montag den 13.10.2008 bis zum Montag den 20.10. 2008 besuchten wir Frank Abbas in Bulgarien. Wir waren das erste Mal in Bulgarien und hatten das Gefühl, als ob hier die Uhren langsamer gingen als in Deutschland.
Wir wurden vom Reiseveranstalter mit dem Bus vom Airport abgeholt und mussten durch ganz Varna ca 18 km lang zu unserem Hotel fahren. Auf dem Weg dorthin sahen wir die vielen „Plattenbauten“ – die Überbleibsel aus dem Sozialistischen Staat. Die einzelnen Wohnungen der Wohnblocks wurden als Eigentumswohnungen verkauft. Und jetzt kommt es, jeder Besitzer gestaltet seinen Bereich individuell, ob an der Hausfassade oder an der Balkonverkleidung. Es wirkte etwas unordentlich und befremdend auf uns. Fast alle Bewohner hatten ihre Wäsche auf dem Balkon zum Trocknen gehängt. Unsere Unterbringung, eine günstige Pauschalreise, war aber genau das Gegenteil. So richtig den Geschmack der Touristen getroffen. Mit Hallenbad und Swimmingpool usw. Hier hielten wir uns insgesamt 2 ½ Tage auf. Wir wollten ja die Arbeit von Frank kennenlernen.
Am Dienstag hatten wir ein Meeting mit Frank und seinem Pastor Georgi Todorov. Wir trafen uns in der Baptisten Gemeinde und Georgi erzählte uns, dass er die Arbeit von Frank sehr schätzt und wie er die Veränderung bei den Kindern sehen konnte. Er sagte aber auch, dass Frank noch einen langen Weg zu gehen hätte. Gerade für diese Arbeit brauche „Mann“ sehr viel Geduld.
Nach der gemeinsamen Gebetszeit, stiegen wir in einem einheimischen Bus und fuhren zum Ghetto. Diese Busse sind eine Mischung aus Straßenbahn und Bus, durch eine elektrische Überleitung werden sie angetrieben. Endstation des Busses, Ankunft im Ghetto.
Was wir hier sahen, überstieg unsere Vorstellung. Denn wie die Menschen in diesem Ghetto leben, ist wirklich sehr schlimm. Überall liegt Müll herum und es stinkt sehr penetrant. Frank wurde sofort von einer Meute Kinder umringt. Gemeinsam marschierten wir durch die “Straßen“
Elisabeth wurde von einer älteren Frau angesprochen und um Gebet gefragt. Die kleinen Kinder waren alle sehr herzlich, strahlten uns an und fassten uns sofort an den Händen. Es gab sogar kleine Streitigkeiten, wer das Privileg hatte an einer Hand zu laufen.
Frank führte uns zu seiner Station. Eine kleine Treppe führt ins Obergemach, ca 16 qm Fläche die für schulische und spielerische Zwecke genutzt wird. Auch wird das Zimmer nach einer Aufräumaktion als Gottesdienst-Raum genutzt.
Dann zeigte uns Frank seine << Wohnung>>. Jetzt blieb uns die Luft weg, Sprachlosigkeit. “Wie kannst du hier leben?”, war unsere erste Frage. Es ist ein Wunder. Nur durch die Kraft Gottes kann Frank dieses Leben annehmen. Wir könnten dies nicht. Dies ist eine andere Welt. Soviel Abstriche von der vertrauten Lebensweise.
Rückkehr ins Hotel, es entstand ein dringendes Verlangen sich gründlich zu duschen und einen
Kleidungswechsel vorzunehmen. Mittwoch hatten wir für uns geplant auch die schönen Seiten von Bulgarien kennen zu lernen. Das Schwarze Meer ist sehr schön. Die starke Brandung hat uns fasziniert. Und die Auswahl der schönen sehr großen Muscheln. Letzteres wurde natürlich auch gesammelt.
Donnerstag fuhren wir sogar schon alleine mit dem Bus nach Varna, danach Buswechsel um ins Ghetto zu gelangen. Frank erwartete uns schon mit seinen Jungs. Das war sehr schön in Empfang genommen zu werden. Wir tasteten uns durch die „Straßen“. Kleine Kinder kamen wieder laut rufend . Ein vor seinem Haus sitzender Mann, bat den Werner für ihn zu beten.
Wir gingen weiter zur Station, hier warteten wir auf Carol, eine aus England stammende Krankenschwester, die therapeutische Maßnahmen mit den Kindern durchführt. Wir versammelten uns zuerst zum gemeinsamen Gebet. Das ist unbedingt wichtig sagte Frank. Gleich merkten wir auch warum.
Plötzlich ertönten zwei Schüsse unmittelbar unter uns. So etwas ist hier anscheinend nichts besonderes. Werner wurde sofort in Beschlag genommen. Ein kleiner sehr auffälliger Junge ließ sich von ihm auf den Schoss nehmen und gemeinsam malten sie Bilder.
Frank nahm mich mit auf eine Exkursion durch das ganze Ghetto. Das Ghetto wird bewacht oder kontrolliert von der Mafia. Es sind in diesem Ghetto sogar drei richtige kleine Villen, jetzt darf man sogar raten, wer hier wohnt. Eine richtige Politik wird hier betrieben. Menschenhandel, Prostitution, alles was man aus einem schlechten Film kennt.
Abends bei der „Heimfahrt“ waren wir beide ganz schön fertig. Eindrücke die erst verarbeitet werden müssen. Freitag war Entspannung angesagt. Samstag hatten wir dann eine Verabredung mit Carol in ihrem Wohnort. Dobrich.
Wir fuhren wieder Bus, da das die günstigste Fortbewegung Variante ist .Frank zeigte uns vorher noch ein anderes Ghetto in Varna. Es erschien uns noch schlimmer, als das was wir bisher gesehen hatten. Denn diese Menschen leben hier regelrecht auf einem Müllhaufen. Dieser ist ca. 10 Meter hoch und rundherum ist ein ca 15 Meter breiter Graben. Auch hier liegt Schmutz, Abfälle jeglicher Art auch fließt hier ein kleiner Bach. Oh, wie romantisch, spätestens beim Schnuppertest weiß man die Parfüm Marke „Kloake“. Der Heilige Geist führte uns durch das Gebet. Es wurde Zeit aufzubrechen, denn wir wurden beobachtet.
Unsere Fahrtziel war noch nicht erreicht, ein Mikrobus brachte uns nach Dobrich. Carol erwartete uns schon. Sie lebt ungefähr 25 km von Varna entfernt. Nun sahen wir das Landesinnere von Bulgarien. Und wir mussten feststellen, es ist ein schönes Land. Carol hat ein Haus mit einem großen Garten. Der Boden ist sehr fruchtbar und sie hatte eine gute Ernte in diesem Jahr. Carol bildet zum Worship Dancer aus. Ihre Vision ist es , mehr Menschen in die Anbetung zu führen. Sie möchte auch ein Studio anbauen, speziell für Anbetungstanz. Sicherlich denkt so mancher, warum? Mit Gesang und Tanz und Jubel, fallen alle Mauern. AMEN.
Sonntag, Treffpunkt in der Baptisten Gemeinde. Dort wurde Thanks Giving gefeiert. Frank war auch mit 5 seinen Jungs dabei. Die sich regelrecht am Gottesdienst beteiligten. Vor einem Jahr kaum vorzustellen, aber das Resultat „ der Annahme „ ist sichtbar. Gemeinsames Mittagessen mit der ganzen Gemeinde. Pastor Georgi verabschiedete sich von uns und sagte: Wir seien ein Segen für den Frank. Was dieser nur noch bestätigte. Auch wir wurden gesegnet durch die freundliche Annahme und die Freundschaft vom Frank. Zum Abschluss segnete uns noch Nasko und umarmte uns ganz herzlich. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, Nasko 12 jährig, ein Junge aus dem Ghetto. Ich dachte an das Buch Joel :”Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch und eure Söhne und Töchter sollen weissagen”.
Abschied nehmen war angesagt. Vorher wurden noch die Parkas verteilt, die ich aus einer Kleiderspende mitnehmen durfte. Die Freude war Riesengroß, denn es waren neue Kleidungsstücke.Langes nachwinken. Auf Wiedersehen bis zum nächsten Jahr?
Rückfahrt ins Hotel, Koffer packen. Rückflug.
Elisabeth und Werner Jansen, Oktober 2008