Light in the darkness

Hilfe zur Selbsthilfe für gefährdete Kinder und Jugendliche

Light in the darkness

Menschen helfen Ghettokindern !

Bulgarian
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Der Artikel ist in der Kirchenzeitung von der deutschsprachigen Evangelisch- Lutherischen Kirche Sofia erschienen.

Am 11. und 12. August habe ich an Gesprächen zwischen der deutschen Justizministerin Frau Zypries und ihrer bulgarischen Kollegin Tacheva in Varna teilgenommen. Diese Gelegenheit habe ich genutzt, um mich am Wochenende vorher mit Frank Abbas und „seinen Jungs“ aus dem Roma-Ghetto in Vladislavovo zu treffen. Wir konnten das Ghetto sogar besuchen und einige seiner Helfer treffen.

Vladislavovo ist eines der kleineren Ghettos in Varna. Mehr über dieses Ghetto, in dem Frank Abbas, ein deutscher Kaufmann nun seit drei Jahren lebt und in seiner „Station“ eine Gruppe acht- bis fünfzehnjähriger Jungen betreut, kann man auf seiner Website lesen: http://www.light-in-the-darkness.de/

Viele Roma in Bulgarien leben in Ghettos. Das Romaviertel in Vladislavovo besteht hauptsächlich aus kleinen, dicht aneinander gedrängten ärmlichen Häuschen voller Menschen, darunter viele Kinder. In der Nähe gibt es aber auch die üblichen Plattenbauten, dort leben mehrheitlich Millet, türkischsprachige und muslimische Zigeuner, während die Bewohner des Viertels, in dem Frank Abbas lebt, auch Christen sind. Sie sprechen noch Romanes (eine aus dem Hindu stammende Sprache, die die Herkunft der Roma aus Indien belegt) und oft nur schlecht Bulgarisch, ein besonderes Hindernis bei der Alphabetisierung, die sich Frank Abbas auch zum Ziel gesetzt hat. Er selber lebt in seiner “Station“, einem kleinen, besonders schäbigen Häuschen, wo er alles mit seinen Jungen teilt, in völliger Bedürfnislosigkeit. Praktisch hat Frank Abbas, der seit seiner Ankunft in Varna vor fünf Jahren, Schritt für Schritt mit den Romajungen in Kontakt kam, anstatt der meist dysfunktionalen Elternhäuser, die Erziehung „seiner“ Jungen übernommen. Er bringt ihnen die Regeln des Lebens außerhalb des Ghettos bei und zeigt ihnen Grenzen und Möglichkeiten auf der Basis christlicher Werte, aber ohne den Versuch der Missionierung. Er sorgt dafür, dass sie gewaschen und mit ihren Schulsachen in die Schule gehen und die Hausaufgaben machen. Nicht weit von der Station gibt es einen kleinen Raum, in dem eine seiner Helferinnen Alphabetisierungskurse durchführt. Ein anderer, Nihat, selber ein Millet aus Razgrad und aktives Mitglied der Baptistengemeinde in Varna, die Frank Abbas und sein Projekt unter ihre Fittiche genommen hat, kümmert sich in seiner Freizeit um die Jungen, z.B. spielt er mit ihnen Fußball. Er gibt ihnen die Zuwendung, zu denen die Familien oft nicht in der Lage sind. Sie scheinen ihn zu akzeptieren und zu verehren, wie sie Frank Abbas lieben und respektieren.

Am Sonntag den 10. August haben wir am Gottesdienst in der provisorischen Unterkunft der Baptistenkirche in Varna teilgenommen und auch mit Pfarrer Todorov gesprochen. Eine Woche später wurde die schöne, neue Baptistenkirche am Boulevard Slivnica eingeweiht. Frank Abbas Jungen haben an der Eröffnungsfeier mitgewirkt. Pfarrer Todorov bestätigte: Frank Abbas’ Engagement bewirke eine Veränderung bei den Kindern und das überzeuge ihn: Er hat Erfolg. Die Jungen wissen heute sich zu benehmen. Sie wissen um Rechte und Pflichten. Sie akzeptieren moralischen Maßstäbe.

Die jahrhundertelange Ausgrenzung und Diskriminierung der Roma und der Zerfall des von den Kommunisten eingerichteten, scheinbar funktionierenden Zwangssystems, hat bei vielen Romagruppen, die oft untereinander verfeindet sind, zu einer großen materiellen, aber auch seelisch-moralischen Verwahrlosung geführt.. Frank Abbas teilt seinen Alltag mit ihnen, Leid und Freude. Die Roma in Vladislavovo akzeptieren ihn als einen der Ihren und sind ihm dankbar, weil er den Jungen in seiner Station eine Chance bietet: Hilfe zur Selbsthilfe Aber es gibt auch Missgunst und zum Teil offene Feindschaft, vor allem der meist aus den Millet stammenden Kriminellen, die aus der Armut und Unwissenheit der anderen Roma Kapital schlagen, indem sie z.B. die Prostitution von Kindern und Jugendlichen organisieren und sie als Drogenkuriere einsetzen. Gewalt in den oft zerrütteten Familien, in denen Mädchen und Frauen keine Rechte haben, zwischen den Familien und den verschiedenen Romagruppen ist an der Tagesordnung. Oft „helfen“ nur Alkohol und Drogen, um den trostlosen Alltag zu vergessen.

Nur anderthalb Kilometer von einer neuen glänzenden “Einkaufsmall“ in Varna leben tausende Roma in Maksuda buchstäblich auf einem Müllberg, wie in den schlimmsten Elendsvierteln der Ditten Welt, aber mitten in Europa, in einem beliebten Urlaubsort, gerade auch für deutsche Touristen. Jetzt soll dieses Gebiet bebaut werden. Die Roma werden vertrieben werden und vermutlich, wie schon geschehen, in einem anderen bestehenden Ghetto Zuflucht suchen müssen, was wieder einmal in gewaltsame Auseinandersetzungen der Roma untereinander münden wird.

Frank Abbas ist mit seiner Arbeit ein „Licht in der Dunkelheit“, weil „seine“ Roma spüren, dass er sie respektiert und trotz ihres Elends ihre Menschenwürde achtet und ihnen eine Perspektive zeigt.

Mögen viele solcher Lichter entstehen.

Gudrun Steinacker, 31.08.2008

Gudrun Streinacker ist die stellenvertretende Botschafterin der Deutschen Botschaft in Sofia